Startup-Learnings vom Matterhorn

Das Matterhorn hat mir als Startup-Unternehmer 2 Dinge beigebracht. Das Erste davon ist, dass es ganz schön schmerzhaft werden kann, wenn man die Planung vernachlässigt.
Es ist Anfangs September, Mittwoch. Ich nehme den 19:09 Zug vom Berner Büro nach Solothurn. Morgen beginnt das Abenteuer Matterhorn. Mir fällt auf, dass ich vermutlich gar keine Handschuhe besitze und auch keine Windjacke. Ich rufe meinen Bruder an. Er hat beides, kann ich abholen. Die Jacke passt. Stoffhandschuhe? Vermutlich nicht ideal. „Wird schon passen“ denke ich mir.
 
Auf dem Weg nach Zermatt gehe ich nochmals alles durch. Mein Kollege hinterfragt meine Vorbereitung. Falsch liegt er damit sicherlich nicht: Weder habe ich Erfahrung im Bergsteigen, noch die perfekte Ausrüstung. Jedoch habe ich einen Bergsteiger gebucht, der bereits 107x das Matterhorn bestiegen hat. Auch habe ich das Wichtigste wie Steigeisen und Pickel gemietet.
 
Morgens um 4:20 geht der Wecker. Der Tag beginnt, in 20min geht’s los. Es ist eine angespannte Stimmung. Viele sind nervös. Ich freue mich riesig. Ich weiss, dass es hart wird.
Wenige Stunden später bin ich kurz vor dem Gipfel. Der vorletzte Abschnitt besteht aus langen Fixseilen, an denen man sich hochziehen muss. Ich kann nicht mehr. Meine Handschuhe sind im Fingerbereich längstens durchgerieben. Bei Minustemperaturen und starker Bise auf über 4’000m habe ich eiskalte Finger und starke Schmerzen. Ich kann das Seil deswegen auch kaum mehr greifen.
Der Guide ist oberhalb der nächsten Kante. Er sieht mich nicht. Ich muss innehalten. Ich überlege mir abzubrechen: Ich habe schlicht keine Kraft mehr und bilde mir ein, dass meine Finger ernsthaften Schaden nehmen könnten. Vor meinem geistigen Auge stelle ich mir vor, dass ich zukünftig das 10-Finger System auf meiner Tastatur nicht mehr anwenden kann. Dieser Gedanke ist so absurd, dass ich Lachen muss. Sofort wird mir klar, dass ich für kurze Zeit meine Identität hinterfragt habe. Das bin ich nicht. Ich jammere nicht, ich gewinne. Diese innere Kraft habe ich mir über die letzten 10 Jahre so hart erarbeitet, dass ich zu 100% darauf vertrauen kann.
 
 
Das Seil klemme ich irgendwie zwischen den Händen fest und ziehe mich mit voller Kraft und noch mehr Überzeugung hoch. Dann passiert es: Ein riesiger Adrenalinschub versorgt mich mit Kraft und Wärme. Danke. Alle Schmerzen und Zweifel sind weg. Der letzte Abschnitt ist ein Genuss – beeindruckend dieses Gefühl auf dem Gipfel.
 
 
48h danach haben sich von der Kälte grosse Blasen an meinen Fingern gebildet. Das 10-Finger System geht aber noch. Die Blasen behindern mich also nicht. Im Gegenteil: Sie erinnern mich daran, dass mit Durchhaltewillen und Überzeugung alles machbar ist. Ich überlege mir nun nächstes Jahr den höchsten Berg Europas zu besteigen. Planen werde ich.

Story geschrieben von:

Michael

Co-Founder | CEO

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